Dieses Blog durchsuchen

Sonntag, 29. November 2020

Ein schreckliches Jahr geht zur Neige...Achtung viel Kummertext

 Ich muss doch endlich mal wieder was schreiben hier...seit ich whatsapp benutze und auch im ww-forum schreibe, hab ich den blog hier sträflich vernachlässigt, was aber auch daran lag, dass es mir über Monate echt furchtbar ging.

Ich hab hin und her überlegt, ob ich hier schildere, was passiert ist, hab mich dann aber dagegen entschieden, weil es ein rein innerfamiliäres Problem ist und einen meiner Söhne betrifft, nicht den, der mit mir studentenhalber zusammen wohnt, sondern einen der anderen beiden.

Was in ihn gefahren ist - ich kann es mir nicht vorstellen, manchmal denke ich, er hatte Corona und es hat sein Gehirn verändert. Denn von meiner Warte aus ist nichts zwischen uns passiert, was seinen abrupten Kontaktabbruch zu mir nach Jahren herzlichster Verbundenheit und auch seiner Fürsorge für mich begründen könnte. Nachfragen wurden mit schwammigen Vorwürfen, die ich als aus der Luft gegriffen ansehen muss, beantwortet und das Ganze bleibt mir einfach vollkommen unerklärlich.

Fakt ist, dass seit April praktisch kein Kontakt mehr besteht auf seinen Wunsch hin, alles Flehen und Bitten usw. von meiner Seite blieb völlig erfolglos. Und wie gesagt konnte er mir auch keinen einzigen plausiblen, für mich nachvollziehbaren Grund nennen. Der Kontakt zu mir wäre zu "belastend" und "nervig" für ihn geworden - das war das Einzige, was ich so aus ihm herausbekommen konnte. Dabei habe ich mich noch mega zurückgehalten und ihn nicht permanent belämmert, ich kenne ihn ja schließlich seit über 30 Jahren und weiß, was bei ihm geht und was nicht.

Mein einziger Fehler könnte gewesen sein dass ich nicht gerafft hatte, wie anders seine Einstellung zu den Maßnahmen unserer Regierung ist als meine und ich ihm unbedarft immer wieder mal whatsapps mit Infos und Fakten zugesandt hatte. Aber da hätte er doch auch entsprechend reagieren können oder???

Die Folge bei mir war: täglich nur noch 5,5 Stunden Schlaf am Stück, Wahnsinns-Schokoladengelüste, und von Mitte 80 schraubte sich mein Gewicht hoch auf über 93! Ich konnte nur hilflos dabei zusehen, wie ich idiotisches Zeug aß und die Waage ständig Alarm meldete. Aber das war zu dem Zeitpunkt noch mein geringstes Problem, da ich innerlich so unbeschreiblich litt...

Bis zu dem Tag Ende Oktober, wo ich nach wochenlangem Schweigen mal wagte nachzufragen, was mit dem Geld sei, das ich meinem Jüngsten gegeben hatte, als er von einer Minute auf die andere für seinen Bruder nach ich-weiß-nicht-wo fahren sollte, ein Getriebe abholen. Ich hatte es also dem Ältesten vorgestreckt, wollte aber in all den Problemmonaten nicht danach fragen.

Die Antwort war so schlicht wie lapidar: "Ich hoffe, das ist nicht ernst gemeint".

So, bums, damit fiel ein Großteil der Seelenqual von einer Sekunde auf die andere von mir ab - der eigenen Mutter Geld schuldig bleiben? Jetzt ist es aber genug.... und ich konnte endlich aus dem Gedanken-Hamsterrad heraus und mich wieder seelisch aufrappeln.

Wie ich in all den Monaten trotzdem meinen Job gut gemacht hatte, sodass ich (ist keine Angeberei) sogar im September zum zweiten Mal in diesem Jahr den Mitarbeiterwettbewerb gewann und einen 50-Euro-Supermarkt-Gutschein einheimste zeigt mir, dass ich wohl über eine gewisse Resilienz verfüge, die ich mir nie zugetraut hatte.

Ich schaffte dann auch wieder einige Wochen am Stück "richtig" zu Essen und das Gewicht wieder runterzufahren.

Dann kam das nächste Problem:

ich arbeite ja seit siebeneinhalb Jahren im Abo- und Anzeigenservice einer Zeitung, und zwar mit Lust und Freude (was ich nie für möglich gehalten hätte). Ein Gutteil dieser positiven Arbeitsatmosphäre hing an dem Zusammenhalt und den auch privaten Kontakten mit einigen meiner insgesamt fast 40 Kollegen, wir arbeiten in Schichtzeiten, man war aber immer mit etwa 20 Personen und mehr in einem großzügigen Großraumbüro zusammen. Der Zusammenhalt und die Witzeleien und gegenseitigen Hilfestellungen meines "Grüppchens" war immer mit ein Anlass, gerne zur Arbeit zu gehen.

Bis vor zweieinhalb Wochen: zwar gab es seit Beginn der Coronakrise Maßnahmen, um gegenseitige Ansteckungen zu verhindern (vom Hausmeister neu gebasteltelte durchsichtige Trennwände, Maskenpflicht beim Verlassen des Schreibtischs, Desinfektion überall etc.), aber als die Zahlen in die 10-Tausender schnellten wurde unserer Geschäftsführung wohl klar: wenn nur einer sich ansteckt, müssen ALLE in Quarantäne, und das wäre der Obergau!

So erhielt ich am Nachmittag des 3.11. zuhause einen Anruf: "Ab morgen dürfen Sie nicht mehr an Ihren normalen Arbeitsplatz, das Großraumbüro wird aufgelöst, alle kommen in Einzel- und Zweierbüros übers ganze Gebäude verteilt, den Schlüssel holen Sie sich morgens immer beim Pförtner, und folgende Hygienemaßnahmen sind zu beachten...usw.usw."

Leider leider verfiel man auf die seltsame Idee, ausgerechnet mich als Älteste mit einer - mh ich sag es mal so - jungen Zicke zusammenzusetzen, die seit Monaten verlauten lässt "Masken sind sinnlos" und anderen Käse Corona betreffend.

Eine halb schlaflose Nacht später, in der ich mich mit der Frage quälte, ob man uns wohl zu dicht zusammengesetzt haben könnte sah ich zu meiner Erleichterung, gut 3 Meter Platz von Kopf zu Kopf.

Da ich grundsätzlich guten Willens bin wollte ich das Beste aus der Situation machen, bot ihr das Du an und verhielt mich kollegial bis auf einen Fakt: jede hat zwei Fenster auf ihrer Seite, Vorschrift der Geschäftsführung ist, alle halbe Stunde 5 Minuten lüften.

Glaubt ihr, sie hätte in den knapp 3 Wochen auch nur ein einziges Mal ihre Fenster auch nur einen Spalt geöffnet? Nee...sie hat ja immer kalt.

Am Mittwoch kam sie dann vom Rauchen zurück (natürlich...) und kriegte einen Wutanfall, weil ich mal wieder am Lüften war, knallte die Türe zu und blökte herum, dass doch alles Schwachsinn sei mit den Coronamaßnahmen.

Nun reichte es mir aber, ich schrieb eine Mail an die Leitung und beschwerte mich und bat darum, dass man dafür bitte eine Regelung finden möge oder mich meinetwegen in eine Besenkammer setzen solle, mir wäre alles Recht, aber ich möchte nicht stundenlang an meinem Arbeitsplatz einer Gefährdung durch jemand Leichtsinniges ausgesetzt sein.

Am nächsten Morgen wurde ich noch vor Arbeitsbeginn ins Chefbüro gerufen und rechnete mit dem Schlimmsten, aber nein, man gab mir völlig Recht und hatte auch schon eine Lösung gefunden: eine meiner Freundinnen kommt statt der Zicke in "mein" Büro und schon ist alles wieder wunderbar! Uff was war ich erleichtert und hab mich bestimmt 3 x bedankt!

Die Freundin ist auch happy, und wir mussten nur noch den Rest der Woche aushalten, ab morgen Montag sind wir dann zusammen und wir werden lüften wie die Irren :-))) und uns weiterhin gegenseitig unterstützen (unser Job ist, was man sich nicht vorstellen kann, unheimlich umfangreich und man muss 1 Million sich ständig ändernder Anweisungen und Fakten im Kopf behalten).

Kleiner grinsender Seitenhieb noch auf Mrs. "Masken bringen nix": sie ist jetzt in einem Gemeinschaftsbüro, das nachmittags von 2 Kollegen genutzt wird, die immer die Nachmittagsschicht fest haben, was bedeutet, sie hat jetzt immer die 6-Uhr-Schicht, dauerhaft, und das im Winter, ooooch tut mir das leid! :-)

Natürlich hab ich auch in dieser Krisenzeit wieder genascht was das Zeug hielt, ich bin, wenn ich unter Druck gerate, zu 100% schokoman und muss mich nun mühsam wieder einkriegen.

Stand Gewicht derzeit: 85,4 und ich war letztes Jahr um die Zeit bei 81,2 - grrrr